Ausgabe 10/2011

S-20-LEITFADEN. BMW sieht damit eine "wichtige Grundlage" gelegt, Vattenfall vermisst dagegen Präzision im Detail.

"Was ist sozial angemessen?"

Sich zu hochkarätigen Sportveranstaltungen einladen zu lassen, galt im Geschäftsleben lange als schick. Entspannt in luxuriösem Ambiente, abseits der grauen Bürotürme miteinander zu plaudern, intensivierte geschäftliche Kontakte und brachte viele neue.

Auch Politiker ließen sich in den immer aufwendiger gestalteten VIP-Lounges gerne blicken.

Doch seit 2006 hat sich Vorsicht wie eine graue Wolke auf die Hospitality-Szene niedergelassen. Auslöser für einen neuen, bewusst abwägenden Umgang mit Einladungen war die Anklage gegen den ehemaligen EnBW-Boss Utz Claassen wegen der Versendung von kostenlosen Eintrittskarten zur Fußball-WM in Deutschland. Empfänger waren unter anderem

Baden-Württembergs damaliger Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und sein Staatssekretär im Bundesumwelt-

ministerium Matthias Machnig. Auch fünf andere Politiker hatte Claassen mit der Weihnachtspost 2005 eingeladen. Doch obwohl der Manager freigesprochen wurde, gilt das gesamte Geschäftsfeld Hospitality seither als unsicheres Terrain. Wen darf man einladen, wen auf keinen Fall? Symbolträchtiger Höhepunkt des schleichenden Niedergangs einer Branche ist wohl die Rückgabe einer Telekom-Loge beim FC Bayern München. Eine Zwölfer-Loge. Beim FC Bayern! Wo auf Jahrzehnte hinaus alles ausgebucht ist! Einfach so zurückgegeben! Es hatte sich einfach niemand mehr finden wollen, der sich für den Gegenwert von tausend Euro auf einen VIP-Platz einladen lassen wollte, gestand der Sponsoringleiter der Telekom, Stephan Althoff.

Die Konsequenz: Die Telekom verschärft ihre Compliance-Regeln und will in Zukunft keine Eintrittskarten mehr verschenken, die mehr als 500 Euro wert sind, schreibt das Handelsblatt. Amtsträger lädt der Konzern seit Claassen eh keine mehr ein.

Die neue Selbstbeschränkung folgt genau den Vorgaben, die von der Sponsorenvereinbarung S-20 unter Althoffs Leitung im Juli veröffentlicht wurden. Der Hospitality-Leitfaden, der zusammen mit dem DOSB und dem Innenministerium erstellt wurde, will die Verwirrung unter den Sponsoren auflösen und wieder zu mehr Rechtssicherheit bei VIP-Einladungen beitragen....

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