Ausgabe 04/2015

INTERVIEW. Alexander Jobst, Marketingvorstand des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, über Wachstumschancen des Clubs - und Katar.

"Wir sind sehr spät aufgewacht"

sponsor news: Schalke 04 kommt auf 215 Mio. Euro Umsatz. In welchem Bereich steckt künftig das größte Entwicklungspotential, bei den Sponsoren, den TV-Rechten, Tickets und Merchandising?

Alexander Jobst: Großes Potential sehen wir in allen genannten Bereichen mit Ausnahme des Ticketings. Der FC Schalke 04 ist in einer strukturschwachen Region beheimatet, wir tragen demnach eine soziale Verantwortung gegenüber unseren Fans und werden die Preisschraube für Tickets nicht überdrehen. Für uns ist es von großer Bedeutung, auch in Zukunft in einer ausverkauften Veltins Arena zu spielen, die Atmosphäre hat nicht nur eine besondere Wirkung auf alle Beteiligten, sondern am Ende auch auf die Attraktivität des Vereins. Die Entwicklung im Bereich der TV-Einnahmen, im Sponsoring und im Merchandising sind natürlich auch verknüpft mit sportlichem Erfolg.

sponsor news: Was tut FC Schalke in puncto Internationalisierung?

Jobst: Wir haben kürzlich unsere Internationalisierungsstrategie verabschiedet. Nur so viel: Es erfordert zunächst eine interne Überzeugung im Verein, diesen Weg gehen zu wollen, daraus leitet man Kernmärkte und Maßnahmen ab, die sukzessive in den nächsten Jahren umgesetzt werden. Als Beispiele seien Sponsorenakquise, Freundschaftsspiele, Club Media Projekte, Fußballschulen und Online- Merchandising-Stores genannt. Natürlich wirkt sich das mittelfristig auf der Einnahmenseite positiv aus. So sind wir der erste Verein in der Bundesliga mit zwei chinesischen Milliardenkonzernen (Hisense und Huawei) als langfristige Premiumpartner. Für uns ein Meilenstein in der Außenwirkung, denn es zeigt einerseits die Überzeugung solcher Unternehmen, in die Bundesliga und Vereine zu investieren sowie andererseits das Profitieren in beide Richtungen: Die chinesischen Sponsoren aktivieren ihr Engagement mit Schalke 04 in China, wir unterstützen sie beim Markenaufbau in Europa.

sponsor news: Können die deutschen Spitzenteams im Ausland überhaupt etwas "reißen"? Man kennt sie vor allem in Asien - im Vergleich zu ManU, Real Madrid und Barca - fast nicht?

Jobst: Natürlich sind uns internationale Top-Clubs weit voraus, insbesondere in puncto weltweite Fanreichweite. Doch ich merke täglich in unserer Arbeit und im internationalen Netzwerk: Die Bundesliga ist inzwischen ein absolutes Premiumprodukt für alle Stakeholder; folgerichtig sehen die Top-Vereine inzwischen Notwendigkeit und Potential in der Auslandsvermarktung. Durch die wachsende internationale TV-Distribution durch die DFL ist die Bundesliga heute wesentlich präsenter als noch vor einigen Jahren. Ich bin überzeugt, dass wir mit der DFL auf dem richtigen Weg sind - behutsam, aber stringent, professionell und erfolgreich.

sponsor news: Selbst der größte deutsche Club - FC Bayern München - hat in China nur 1 % Bekanntheit, ManU liegt bei 12 %. Was kann man da künftig bewegen?

Jobst: Ich möchte keine Prozente anderer Clubs kommentieren. Fakt ist: Die deutschen Top-Vereine - und dazu zähle ich selbstverständlich Schalke 04 - sind sehr spät aufgewacht im Feld der Internationalisierung. Real Madrid reist seit 20 Jahren um die Welt und tätigt zahlreiche Projekte. Nun liegt es an uns Vereinen und der DFL, dass wir effizienter arbeiten, um die Schere zwischen Weltmarken wie Real Madrid, Manchester United, Juventus, Barcelona und den deutschen Top-Vereinen zu verkleinern. Die Professionalität der Bundesliga wird weltweit geschätzt, keine Frage. Daraus müssen wir in den nächsten Jahren Ergebnisse erzielen.

sponsor news: Schalke 04 ist eine Ruhrpott-Ikone. Kann man dieses Image überhaupt in Einklang mit einer stärkeren internationalen Ausrichtung durchhalten?

Jobst: Selbstverständlich. Tradition, Erfolg sowie eine einzigartige Fanbasis mit Zusammenhalt und Leidenschaft. Dazu das Image des Kumpel & Malocher Clubs. Das sind Werte, die bei internationalen Partnern sehr gut angenommen werden. Es findet bei mir im Büro kein Gespräch mit Gästen aus dem Ausland und Erstkontakt zu Schalke 04 statt, in dem wir nicht zuerst den Verein und seine Werte näherbringen. Die Einzigartigkeit unseres Vereins kann uns stolz machen, das kommt an im Ausland!

sponsor news: Wie könnte Schalke 04 regional denn noch Umsätze generieren. Vielleicht mit einem Schalke-04-Hotel oder einem "Schalke-Vergnügungspark"?

Jobst: Lokal und regional werden wir kaum Steigerungen erzielen können. Wenn Sie das Ruhrgebiet mit Metropolen wie Hamburg, München oder Frankfurt vergleichen, dann liegt es doch auf der Hand, dass der FC Schalke 04 überregional und international agieren muss. Im Sponsoring und im Retail-Geschäft liegen neben der internationalen TV-Verwertung weiter die Potentiale für die Zukunft. Wir halten im Markt die Augen auf und sind offen für Innovationen...

sponsor news: ...ein Beispiel bitte...

Jobst: Ok: Seit 3 Monaten setzen wir mit "Schalke-Bonus" ein sehr erfolgreiches Fan-Loyalty Progamm um. Wir haben in kurzer Zeit knapp 70.000 Fans als Teilnehmer gewinnen können. Das Programm ermöglicht uns eine noch engere Bindung und Ansprache zu unseren Mitgliedern und Fans, die durch Fanprämien belohnt werden für ihr Engagement beim Verein. Zeitgleich ist es für uns ein sehr effizientes CRM-Tool. Generell gilt in unserer Arbeit: Wir werden uns auch in Zukunft auf das konzentrieren, was wir als Fußballverein können: Erfolgreichen Fußball spielen. In anderen Worten: Ich halte nichts von eigenen Hotels oder Restaurants. Solche Modelle können als Lizenzgeschäfte funktionieren in Zusammenarbeit mit Experten auf diesem Gebiet. Bei einem Eigenbetrieb des Vereins wären sie wenig erfolgsversprechend.

sponsor news: Was halten Sie von der neuen "Bwin ManU-App", bei der der Club als erster Fußball-Verein selbst eine Wetten-App anbietet?

Jobst: Ein neuer Weg in der Vermarktung. Innovativ und interessant. Wir werden uns das genau anschauen.

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